Versicherung sind an sich eine tolle Sache. Meint man so landläufig in Deutschland. Versicherungen helfen in der Not, so hofft man. Unserer Erfahrung nach verursachten sie nur Kopfzerbrechen, dann wenn wir auf sie hätten zählen können. Ein Erfahrungsbericht, wie wir mit der Kameraversicherung zusätzlich zu den Schadensfällen 3000 Euro verloren haben und mehrere Tage Aufwand hatte.

Versicherung (auch wenn sie als kleine Unternehmen daherkommen mögen wie die Fotoversicherung) sind meist bei großen Versicherungsunternehmen eingegliedert oder rückversichert. Kommt es zu einem strittigen Fall, haben sie Milliarden in der Hinterhand und können solange auch vor Gericht streiten, bis der Gegner das nicht mehr kann. Oder hast du Milliarden? Rhetorische Frage ;).

Sie werden alles tun, um euren Schadensfall nicht begleichen zu müssen. Das ist nicht negativ gemeint, sondern nur logisch: der Anreiz ihres Tuns ist ja möglichst viel Geld zu verdienen (bzw. Jahresgewinn zu erwirtschaften), und nicht das eingezahlte Geld der Kunden schnellstmöglich zurückzugeben.

Die Fotoversicherungs AGB’s und das Kleingedruckte

Schonmal die AGB’s und das ganze „Kleingedruckte“ bei einem Versicherungsabschluss gelesen? Sinnerfassend gelesen und alles verstanden? Sicher? Nun, vielleicht sind wir da etwas naiv, aber ja, wir jedenfalls haben alles gelesen, offenbar fast alles verstanden. Leider nur offenbar.

Zumindest ist uns nun klar, warum unsere Workshop AGB’s bei Mountain Moments auf eine einzige Zeile gedrucktes A4 Papier passen, und warum das Kleingedruckte einer Kameraversicherung viele Dutzend Seiten umfasst, zählt man die Erklärungen der Fachbegriffe hinzu. Wer seine Kunden fürchtet, sichert sich rechtlich ab, je komplexer, desto besser.

Wir haben unsere Versicherung bei Herrn Sven Konrad Pöpping abgeschlossen. Herr Pöpping betriebt die Seite www.fotoversicherung.com über die wir die Vermittlung bezogen und außerdem einige weitere Detailversicherungsdienste wie www.drohnenkasko.de  und www.radkasko.de und www.rollstuhlkasko.de. Die Versicherer dahinter sind Ergo, Nürnberger und Generali.

Unsere drei Versicherungsfälle bei der die Kameraversicherung nicht griff

Ja, wir machen Bergfotografie, Reisefotografie und Eventfotografie. Das ist mitunter etwas risikoreich und genau aus diesem Grund haben wir eine Versicherung abgeschlossen. Folgende drei Fälle hatten wir bestmöglich dokumentiert (Zeugenaussagen, Bilder, Beschreibungen).

Der erste Fall: Beim Skifahren draufgefallen – Kamera und Objektiv kaputt (sichtbar kaputt)

Bei einer Skiabfahrt sind wir auf den Rücken gestürzt und dabei ist ein Objektiv gebrochen und auch die Kamera (teilweise, sie war danach noch zu gebrauchen). Die Versicherung hat nach mehrfachem Nachfassen nichts bezahlt. Der Grund ist mir nicht mehr ganz klar, ich meine man hat auf Verjährung gepocht. Eine Klage wäre relativ riskant gewesen und als Student unbezahlbar: vorab sind ca. 1500 Euro für Anwalt und Gerichtskosten plus das Risiko noch den gegnerischen Anwalt zahlen zu müssen. Gut, seis drum, 400 Euro verloren und ein neues Objektiv gekauft.

Der zweite Fall: Objektive aus abgeschlossenem Auto gestohlen

Der zweite Fall fand im europäischen Ausland statt. Ein Land, in dem der Durchschnittslohn 300 Euro beträgt und das vom Krieg noch deutliche Nachwehen hat.

In unser (verschlossenes) Auto wurde eingebrochen, während wir tagsüber Essen waren und mehrere Objektive sowie weiteres Ski-Material und etwas Geld entwendet. Die Diebe waren immerhin so nett nur das Bargeld aus den Geldbeuteln zu nehmen und ließen alle Dokumente an Ort und Stelle. Im Nachhinein betrachtet fanden wir das Verhalten der Diebe haben netter als das der Versicherung. Das muss ein Unternehmen erstmal schaffen.

Wir haben alles polizeilich dokumentieren lassen – die Aufnahme-dokumente hat der Polizist vor Ort „zufällig verloren“. In Folge waren den folgenden gesamten Tag in der deutschen Botschaft sowie insgesamt fünfmal auf dem Polizeipräsidium (mit u.a. demselben Polizisten, der uns nie gesehen haben will), hatten vier Übersetzerinnen besorgt, bis wir endlich eine offizielle Anzeige in der Hand hatten.

Damit sollte die Versicherung ja wohl einspringen, denkt man sich. Tja, da denkt man falsch. Das Dokument hat irgendwelche Anforderungen nicht erfüllt, die wir natürlich nicht verbessern können. Außer wir fahren erneut 1500km Oneway, zahlen 200 Euro Autobahngebühren etc. Menschen, die in einer Polizeistation mit hunderten Einschusslöchern arbeiten interessieren sich für eine dahergelaufene Email aus Deutschland nun auch nicht wirklich. Fazit: Trotz Diebstahl aus verschlossenem KFZ, mit aufwändig eingereichten Dokumenten hat die Versicherung den Verlust nicht beglichen. Nichtmal einen Teil.

Der dritte Fall: Objektiv fällt herunter und landet in Gebirgsschlucht

Wir waren auf einem Kundenshooting an einem Wanderweg unterwegs. Am Ende des Tages beim Objektivwechsel liegt das Wechselobjektiv nicht gesichert am Wanderweg und kullert langsam davon und fällt schließlich in eine tiefe Gebirgsschlucht. Bergen unmöglich. Unabhängige Zeugen waren vor Ort, die das Missgeschick dokumentierten und eine Zeugenaussage machten.

Die Versicherung sagt, ja Herunterfallen wird ersetzt, nicht aber der Verlust. Tjä. Und da wir das Objektiv nicht ohne hohe Lebensgefahr bergen können haben wir da dann Pech gehabt. Natürlich haben wir das identische Objektivmodell erneut nachgekauft und erneut versichert. Keine Chance.

Kameraversicherung? Unser Tipp: Nimm die jährliche Versicherungsgebühr und leg sie unters Kopfkissen.

Jetzt fragen wir uns natürlich, wir haben uns gegen genau die oben genannten zu erwartenden Fälle versichert: Diebstahl im Ausland, Herunterfallen oder blödes drauffallen – typische Lebensbegebenheiten beim Sport oder beim Bewegen in der freien Natur. Bei allen drei Fällen schließlich das gleiche Ergebnis, wir haben eine Versicherung, die einen Paragrafen zieht. Hier schau, Pech gehabt – in der Zwischenzeit kassiert sie natürlich weiter die Jahresgebühr.

Man kann sich nun ja überlegen, ok, einmal – geben wir ihnen noch eine Chance, ein zweites Mal, nun vielleicht wird’s ja noch. Aber ein drittes Mal bei dem wieder irgendwelches Kleingedrucktes vorgeschoben wird. Jetzt reicht es. Wenn diese typischen Fälle – alle mitsamt Zeugen und hohem Aufwand dokumentiert – nicht beglichen werden, dann nun ja, wird es Zeit anderen von diesen Erfahrungen zu berichten und vor möglichen blöden Entscheidungen zu Bewahren. Wir haben nun die Kameraversicherung gekündigt und geben diese Erfahrungen natürlich auch unseren Workshopteilnehmern wahrheitsgetreu weiter.

Schließlich, und das können wir hier offen sagen, haben wir rund 3000 Euro an Versicherungssumme in den Jahren überwiesen und hatten mit der Dokumentation insgesamt mehrere Tage Arbeit. Eine ziemlich schlechte Investition im Nachhinein. 3000 Einsatz und 3000 Euro verloren. Eine Party für 700 Leuten mit Freibier für alle wäre wenigstens lustig gewesen.

Kameraversicherung? Wir nehmen nun die sichere Kopfkissenmethode

Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass der reichste Mann in unserem Heimatdorf mit mehrere Millionen Euro an Immobilienvermögen Versicherungsmakler ist bzw. war? Nun, vielleicht.

3000 Euro sind in ein paar Emails und eine offenbar sehr gut arbeitende Rechtsabteilung geflossen.

Wir versichern uns nun wieder selbst und legen die ca. 200 Euro jährliche Versicherungsgebühr unters Kopfkissen und begleichen von dort einen möglichen Schaden. Das ist die sinnvollere Lösung für uns, so sparen wir uns zudem noch viel Ärger und Arbeit.

Unsere Gesamtrechnung (gerundete Werte) zur Fotoversicherung

Ausgaben Versicherung: 3000 Euro (über ca 15 Jahre)

Materialverluste: 400 Euro, 300 Euro, 800 Euro = 1500 Euro

Gesamt: – 4500 Euro (Verlust)

Hätte die Versicherung bezahlt: -1500 Euro

Hätte, hätte, Fahrradkette

Selbst wenn die Versicherung die drei Schäden ausbezahlt hätte, wären wir immer noch deutlich im Minus; um recht genau die Hälfte des Versicherungsbetrags über die versicherte Zeit: 1500 Euro Verlust stünden im Idealfall zu Buche. Man kann nun argumentieren, „ja, aber falls der Notfall eintritt…“: Sicher kann das passieren. Wir waren aber nicht nur sprichwörtlich überall auf der Welt und in vielen Abenteuer. Selbst hier fielen in 15 jahren nur 1500 Euro versicherter Schaden an (100Euro je Jahr).

Auch im GAU wären ungünstigerweise „nur“ 3000 Euro weg – und das wäre der Maximalfall, meist haben wir nur den Wert von rund 2000 Euro am Mann. So sind aber nun satte 4500 Euro in fremden Besitz übergegangen. Das risikooptimierte Verhalten aus den vergangenen Erfahrungen lautet daher: Keine Versicherung mehr.

Ach, ein lustiges Merkmal am Rande: Wir müssen hier klar erwähnen, dass dies unsere rein persönliche Meinung aus persönlicher Erfahrung ist, die nach bestem Wissen und Gewissen rekonstruiert wurde. Tun wir dies nicht, laufen wir Gefahr von den genannten Unternehmen verklagt zu werden. Irgendeinen Grund werden sie in ihrer Rechtsabteilung schon finden (Rufschädigung fände ich in dem Zusammenhang einen sehr lustigen Tatbestand). Das ist so sicher wie eine Kameraversicherung.

 

Nun noch einige typischen Fragen:

Warum empfehlen andere Blogs und Fotografen oft Versicherung?

Andere Menschen machen prinzipiell andere Erfahrungen. Oftmals fällt uns aber auf, dass die Empfehlungen anderer Fotografen einen Affiliate-Link enthalten und damit einfach wegen des Geldes dort stehen. Affiliate heisst, der Empfehler bekommt eine Provision, wenn ihr über diesen Link etwas kauft. Gerade bei Versicherungen werden hier gerne Kopfprämien von mehreren Dutzend bis einige Hundert Euro gezahlt. Wenn man einige hundert Menschen mit einem Beitrag erreicht, und etwa 5-10 davon diese Versicherung über diese Empfehlung im Monat nun kaufen, muss man nicht besonders gut in Mathe sein um zu verstehen, warum jemand eine Versicherung besonders empfiehlt.

Aber, aber…. wenn doch was passiert? Sicherheitshalber doch eine Fotoversicherung?

Hast du Angst, dass dich der Verlust deiner Ausrüstung (bzw. Investition) ruiniert, hast du dich übernommen! Dann specke lieber etwas ab und investiere rund 10% des Ausrüstungswert jährlich in einen Spartopf.

Viel sinnvoller ist es langsam aufzustocken und immer wieder jährlich oder monatlich einen Notfall-Betrag auf ein Extra-Konto zu legen, es muss ja nicht das Kopfkissen sein ;). Hier ist dein Geld sicher (nicht unsicherer als bei einer Versicherung mindestens) und du kannst schneller darauf zugreifen, als du den Papierkrieg mit einer Verischerung überhaupt angefangen hast.

 

Übrigens: Wenn ein Versicherungschaden eintritt, speichern die Versicherungsgesellschaften deinen Schadensfall auch für andere Versicherungen sichtbar.  Nutzt du Versicherungen überdurchschnittlich kann sich das schnell auf deine gezahlten Prämien auswirken und vielleicht wirst du gar von dieser oder einer anderen Versicherung gekündigt oder nicht angenommen (du kennst das eventuell von deinen Autoversicherungsprämien). Versicherer versichern dich nur, wenn sie dich auch versichern wollen (ausgenommen sind hiervon nur ganz wenige Versicherungen).

 

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