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Irgendwann schmerzen die Finger und lassen sich nicht mehr bewegen. Kälte ist der Feind eines jeden Fotografen. Aber auch der Rucksack und die generelle Kleidung ist beim Fotografieren im Winter wichtig. Fotografieren im Winter und bei Schnee ist nicht leicht. Hier erfährst du, was wir für Fotos im Schnee empfehlen, und wie du trotz Kälte gute Bilder machen kannst. Die wichtigste Ausrüstung zum Fotografieren im Winter und bei Schnee kurz erklärt – mit Profitipps aus der Praxis!

 

Fotografieren im Winter: Diese Ausrüstung empfehlen wir

Kamera und Objektive im Winter

Prinzipiell ist es nicht so wichtig, welche Kamera und Objektive du im Winter nutzt – jedenfalls muss du dir nichts Spezielles kaufen. Verschiedene Systeme haben vor allem je nach Größe und Neuheit unterschiedliche Vor- und Nachteile. Die meisten hochwertigen Kameras haben keine Probleme mit Kälte.

Die günstigeren Modelle können ab etwa -15° Celsius anfangen Probleme zu bereiten. Meist ist es entweder die Elektronik, die nicht mehr mitmacht und die Signale nicht verarbeiten kann, oder das Objektiv verzieht sich und ist aufgrund der Kälte nicht mehr einsatzfähig.

Profi-Ausrüstung mit hochwertigen Objektiven ist bis etwa -25— bis -30° Celsius zuverlässig. Bei tieferen Temperaturen kann aber auch hier schonmal ein Sensor nicht mehr funktionieren oder ein Objektiv nicht mehr fokussieren.

Meine Kamera funktioniert in der Kälte nicht. Was kann ich tun?

Dass deine Kamera irgendwann bei sehr tiefen Temperaturen nicht mehr funktioniert ist normal. Sie ist nicht gleich kaputt, ihr ist einfach nur „zu kalt“ – wie dir vielleicht auch.

Quick-Tipp für tiefe Temperaturen: Die Kamera nah am Körper aufwärmen.

Abhilfe bei tiefen Temperaturen kurzfristig: Die Kamera aufwärmen. Falls keine Heizung oder trockene Heizmöglichkeit vorhanden, hilft es die Kamera körpernah aufzubewahren, so wärmt man die Teile auf und kann wieder einige Bilder schießen, bis die Kamera wieder sich der Umgebungstemperatur angepasst hat.

Wie wärme ich meine Fotokamera auf?

Langsames aufwärmen – z.B. durch Kamera im Rucksack auf der Skihütte. Je nach Temperaturunterschied kann dies schon 1-2 Stunden dauern.

Alternative schnelles Aufwärmen im „Notfall“ – Die Kamera unter das Heissgebläse in der Toilette/im Auto halten. Dieser Trick funktioniert, kann aber auch schief gehen. Wir übernehmen keine Verantwortung.

Skihütte im Winter – warm, aber eventuell zu warm für die Fotokamera

Vermeiden solltest du die kalte Ausrüstung schnell aufzuwärmen, also z.B. in eine feuchte Skihütte mitzunehmen. Hier kondensiert sofort Wasser an den kalten Teilen und macht die Kamera unbrauchbar. Erst wenn das Kondensat wieder getrocknet ist, kannst du weiter Bilder machen. Einige weniger hochwertige Kameras überleben dies manchmal nicht, oder es bleiben Wassertropfen auf den Sensor sichtbar. Hier hilft schließlich nur eine Sensorreinigung.

Besser ist es die Kamera bereits im Schnee trocken zu halten, sofern möglich, und nicht zur Mittagspause in die Skihütte mitzunehmen.

Hinweis: Wenn du die Kamera mit in die Hütte nehmen musst, wird sie je nach Feuchtigkeits- und Temperaturunterschied bis 2h nicht zu benutzen sein. Der Sensor ist dann einfach beschlagen und die Temperatur der Teile muss sich erst anpassen und schließlich muss alles wieder trocknen. Von der Skihütte in die Kälte wirst du keine Probleme haben.

Profi-Kameraausrüstung im Winter: Spiegelreflexkamera und hochwertige Objektive

Für Fotos im Winter und Schnee brauchst du keine besondere Ausrüstung. Aktuell 2020 stellt sich heraus, dass die klassischen Spiegelreflexkameras teilweise den elektronischen Kameras in der Temperaturfestigkeit noch voraus sind. Ein Grund, warum Profis weiterhin mit Spiegelreflexmodellen fotografieren. Die Technik scheint hier bei dem alten System einfach weniger Kälteanfällig zu sein.

Wir haben dieses Phänomen z.B. bei der Nikon D6 und der Sony Alpha 6400 festgestellt. Insbesondere die klassischen Spiegelreflexmodelle und hochwertigen Objektive von Nikon und Canon sind hier definitiv resistenter. Nach unseren Schätzwerten und Erfahrungen sind elektronische Kameras ab -10° Celsius anfällig, Spiegelreflexkameras erst ab zirka -25° Celsius. Eine alte Canon 350D hat auch mal -35° Celsius problemlos mitgemacht.

Rucksack zum Fotografieren

Outdoor-Sportrucksack mit Rückenprotektor und sehr gutem Halt durch Brust- und stabilem Bauchgurt – für diverse Sportarten und auch zum Fotografieren daher gut geeignet.

Wichtiger als die Kameraausrüstung ist letztlich wie du diese transportierst. Beim Skifahren, Skitouren, Freeriden und Snowboarden solltest du einen gutsitzenden Rucksack wählen. Auch Profifotografen streiten sich darüber, ob ein spezieller Fotorucksack sinnvoll ist, oder nicht.

Unserer Meinung nach ist ein guter, festsitzender Sportrucksack fast immer ausreichend. Die Kamera solltest du durch eine Innentasche oder Bekleidung und sonstige „Weichteile“ schützen. Falls es zu einem Sturz kommt, bist du und deine Kamera nicht 100% geschützt, in den meisten Fällen aber, passiert deiner Kamera nichts.

Ideal ist bei einer großen Kamera ein (im Rucksack integrierter) Rückenprotektor.

Wie schütze ich meine Kamera-Ausrüstung in einem Rucksack?

Eine gute Polsterung ist entweder im Fotorucksack integriert, hier musst du nichts weiter tun. In jedem anderen Rucksack empfiehlt es sich, die Kamera und Objektive in einer extra Tasche zu transportieren im Rucksack. Dies schützt die Kamera und auch deinen Rücken.

Es hilft, einige weitere dämpfende Gegenstände im Rucksack zu haben – ein Pulli, eine Jacke oder ähnliches. Außerdem solltest du großen Wert darauflegen, dass dein Rücken im falle eines Sturzes vor den harten Gegenständen geschützt ist. Ein im Rucksack integrierter Rückenprotektor ist hier keine schlechte Investition.

Tipp für Bergsportler: Die „Mützentaktik“

Wir selbst empfehlen die „Mützentaktik“: Auf Tour am Berg hat man meist noch eine Extramütze oder Jacke oder ähnliches dabei für die Gipfelrast dabei. Darin einfach die Kamera aufbewahren, während man sie nicht braucht (90% der Zeit). Das spart Geld und Gewicht und hat bisher nicht enttäuscht.

Die patentierte Kamera-„Mützentaktik“

Warme Bekleidung und Handschuhe zum Fotografieren im Winter

Generell im Winter brauchst du warme Bekleidung. Je nachdem was du fotografierst, stehst du manchmal stundenlang ohne Bewegung herum und frierst noch mehr, also ohnehin schon. Eine extra Schicht wärmende Bekleidung ist meist sinnvoll. Achte auch auf Schuhe, die besonders gut gegen die Kälte vom Boden isolieren und ziehe ein zweites Paar Socken an.

Besonderes Augenmerk solltest du auf die Handschuhe richten. Sind sie zu dick, kannst du deine Kamera nicht mehr bedienen, sind sie zu dünn, frieren deine Hände und werden so kalt, dass du deine Hände nicht mehr gezielt bewegen kannst (oder gar nicht mehr).

Tipp: 2 Paar Handschuhe dabei haben.

Unsere Empfehlung: Nimm 2 Paar Handschuhe. Ein warmes Paar, um deine Hände wieder aufzuwärmen, und ein leichtes, dünnes Paar, mit dem du auch die Knöpfe deiner Kamera noch bedienen kannst.

Handschuhe mit einer zweiten aufklappbaren Schicht sind auch keine schlechte Sache, dennoch hat sich die 2-Handschuh-Option in unserer Praxis in der Berg- Landschafts- und Actionfotografie als sinnvoller herausgestellt.

Winterhandschuhe – Links warme Handschuhe. Mitte und rechts: Leichte Winterhandschuhe

Was tun gegen kalte Hände beim Fotografieren?

Warme Handschuhe! Wenn du schon kein warmes Paar Handschuhe dabei hast, weisst du jetzt, was du beim nächsten Mal besser mitnimmst.

Wenn deine Hände sehr kalt werden, du kein Gefühl mehr hast oder gar schon Schmerzen bereiten, stecke die Hände an die wärmsten Körperstellen und lasse sie dort für einige Minuten. Direkt zwischen die Beine oder unter die Achseln sind die wärmsten Stellen. Das mag bescheuert aussehen, und sehr kalt sein, oder die Finger können extrem schmerzen (dies ist ein sehr starker, beissender Schmerz und nicht zu unterschätzen – hast du diesen Schmerz, bist du nur knapp Erfrierungen entgangen!) – dies kann dich aber vor Erfrierungen bewahren!