Polarlichter (Aurora Borealis) sind beeindruckende Leuchterscheinungen am nächtlichen Himmel, die insbesondere Outdoorfotografen in ihren Bann ziehen. Mit diesem Step by Step Guide – Polarlichter fotografieren gelingen dir garantiert beeindruckende Aufnahmen von Nordlichtern.

Lerne die richtigen Einstellungen für Kamera und Objektive, welche Ausrüstung zu brauchst, wo du die besten Chancen auf Polarlichter hast, wie du einen Fototrip planst und wie du deine Bilder der Aurora Borealis bearbeitest.


Über den Autor
Ich bin Marius, Gründer von Mountain Moments, Outdoor-Fotojournalist und Bergliebhaber aus Leidenschaft! Lerne das Mountain Moments Team kennen und lies unsere Tipps, Tricks und Foto-Abenteuergeschichten im Blog.


Inhalt Guide Polarlicht Fotografie

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1. Polarlichter Fotografieren – Kameraeinstellungen in Kürze
2. Kameraausrüstung – Kamera, Objektive und sonstige Ausrüstung, um Nordlichter zu fotografieren
3. Polarlichter fotografieren – Plane deinen Trip
4. Kameraeinstellungen: Alles was du wissen musst für Nordlichter
5. Bildbearbeitung: Tipps für schöne Bilder von der Aurora Borealis
6. Polarlichter fotografieren mit dem Smartphone (iOS, Android)
7. Zusammenfassung Polarlichter fotografieren: Der simple Step by Step Guide (Cheat Sheet)

1. Polarlichter Fotografieren – Kameraeinstellungen in Kürze

Du willst die Grundeinstellungen für Polarlichter schnell wissen? Hier die allerwichtigsten Basics in Kurzform:

  • Objektiv: Weitwinkel, bei Vollformatkamera ca. 24mm je nach deiner Bildkomposition
  • Dateiformat: Fotografiere im Raw-Format, Falls du im Jpeg fotografieren musst: 2500-4500 Kelvin.
  • Lichtempfindlichkeit: ISO: 1600 – je nach Lichtsituation wirst du dich zwischen ISO 800-6400 bewegen
  • Blende: Offenblende – idealerweise f2.8 oder weiter offen
  • Verschlusszeit: Starte mit 15 Sekunden. Je nach Intensität der Nordlichter wirst du 2-30 Sekunden brauchen.
  • Fokus: Fokussiere manuell auf unendlich (kenne den exakten Unendlich Wert vorab)

Dazu brauchst du eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten sowie ein Stativ. Alles Wissenswerte dazu im nächsten Kapitel.

2. Kameraausrüstung – Welche Kamera, Objektive und sonstige Ausrüstung zu brauchst.

Minimale Ausrüstung

  • Kamera mit Möglichkeit zur manuellen Einstellung – Ein manueller Modus erlaubt dir unabhängig die notwendigen Kameraeinstellungen vorzunehmen: ISO, Blende und Verschlusszeit. Im Prinzip reicht dir hier ein Smartphone mit einer App, die diese Funktionen anbietet. Ein Modus zur Vorauslösung (d.h. die Aufnahme startet einige Sekunden verzögert) wäre noch zu bedenken, um verwacklungsfreie Bilder zu schießen.
  • Stativ – Du brauchst ein Kamerastativ, das deine Kamera stabil trägt, oder etwas, das die Aufgabe ein Stativ übernehmen kann. Deine Verschlusszeit wird ca. 5-20 Sekunden betragen, in dieser Zeit darf sich deine Kamera keinen Millimeter bewegen.

Empfohlene Ausrüstung

Wie du siehst, braucht es nicht viel, um die Polarlichter zu fotografieren. Für professionelle Ergebnisse empfehlen wir dir eine Fotokamera mit hochwertigem Sensor sowie ein Weitwinkel-Objektiv.

  • Vollformat Kamera (z.B. Nikon D610, D800, D810, Z6)
  • Weitwinkel Objektiv z.B. 24-70 mit Offenblende 2.8
  • Kabelfernauslöser

Wir fotografieren Landschaften und Nachtaufnahmen mit den Kameras Nikon D610, D800, D810 und Z6. Hier ist die Qualität hervorragend und du musst nicht gleich dein Reihenhaus verkaufen, um sie dir leisten zu können, wenngleich die Ausrüstung kein günstiger Spaß ist. Du kannst natürlich auch vergleichbare Modelle von anderen Herstellern wählen.

Wir nutzen verschiedene Weitwinkel-Objektive verschiedener Hersteller, wichtig ist lediglich die Offenblende um ca. f2.8 und die allgemein hohe Vergütung der Linsen.

Neben Kamera und Objektiv brauchst du außerdem ein stabiles Stativ und idealerweise einen Vorauslöser (Kabelvorauslöser) passend für deine Kamera.

Außerdem wichtig sind warme Kleidung und eine Stirnlampe. Wir empfehlen dir außerdem warme Handschuhe, festes Schuhwerk und eine warme Mütze.

Polarlichter fotografieren am Skagsanden Beach, Flakstad, Norwegen, Foto: J. Goerend

3. Polarlichter fotografieren – Plane deinen Trip

Die wenigsten Menschen haben den Wohnort nach der Erscheinungswahrscheinlichkeit von Polarlichtern gewählt ;), daher musst du zunächst geeignete Orte finden und eine Reise dorthin planen.

Orte – Wo du die besten Chancen auf Polarlichter hast

Du hast vermutlich schon gemerkt, dass du Polarlichter nicht überall auf der Welt sehen und fotografieren kannst. Es braucht prinzipiell 4 Grundlagen, dass wir Menschen dieses Nacht Spektakel sehen und fotografieren können: Einen Ort, an dem Nordlichter rein physikalisch vorkommen können, einen dunklen Ort, Aurora Borealis Aktivitäten und möglichst wolkenfreien Himmel

Orte mit Polarlichtern: Skandinavien (vor allem die nördlichen Teile), Island, Nord-Schottland, Svalbard, Grönland, Kanada, Alaska und Nordsibirien.

Wo kann man die Polarlichter sehen?

Du brauchst einen Ort, der vollkommen dunkel ist und oberhalb des 60. Breitengrades in der nördlichen Hemisphäre liegt. Die Monate November-Januar sind mit langen Nachtstunden ideal, je weiter nördlich du gehst, desto länger hast du auch ab September und bis März gute Chancen. Dein Ort sollte sich mindestens im Polarlichtoval befinden.

Mountain Moments Tipp: Das Ostufer des Lyngenfjords (Norwegen, Nähe Tromsö) ist leicht erreichbar, relativ dunkel, relativ trocken und liegt recht weit oben am europäischen Festland.

Wo finde ich einen dunklen Ort?

Das ist einfacher gesagt, als man denkt. Glücklicherweise gibt es Karten, die dir die generelle Dunkelheit bzw nächtliche Lichtverschmutzung anzeigen. https://www.lightpollutionmap.info – Je dunkler die Karte, desto dunkler ist dieser Ort nachts (sofern keine Sonne am Himmel steht ;)).

Wann finden Polarlichter statt?

Die Vorhersage der Sonnenaktivität und das Auftreten der Polarlichter ist relativ ungewiss. Den aktueller Aurora Activity Index (Werte 0-9) findest du hier, ab einem Wert von 5 lohnt sich ein Versuch.

Wann habe ich die besten Chancen auf Polarlichter?

Die besten Chancen wirst du zwischen November und Januar haben. Möglichst an einem trockenen Ort sehr weit oberhalb des Polarkreises. Der Norden Islands und die Region nördlich von Tromso in Norwegen haben mit die besten Chancen.

Werde ich einen wolkenfreien Nachthimmel haben?

Eine befriedigende Antwort wird ir vermutlich jede Wetter-App vorhersagen können. Genauere Daten bekommst du bei lokalen Wetterdiensten oder Karten, die dir die Wolkenbedeckung vorhersagen. z.B. bei wetterzentrale.de.

Was du vor Ort beachten musst

Checke täglich die Bewölkungsvorhersage. Wolken sind nicht dein Freund, können aber auch spannende Überraschungen zaubern.

Unser Tipp ist eine mögliche Location einmal vor Einbruch der Dämmerung besucht zu haben. So kannst du dir vorab eine schöne Bildkomposition überlegen. Ausserdem kennst du so schon die Gegebenheiten vor Ort, fällst in kein Loch, wirst nicht von einem Anwohner verscheucht und kannst dich auf deine Fotografie konzentrieren.

Polarlichter fotografieren in Schweden, Foto: N. Wang

4. Kameraeinstellungen Polarlichter: Blende, Fokus, ISO, Belichtungszeit – alles was du wissen musst

Die meisten Einsteigerfotografen und Hobbyfotografen haben mit den Kameraeinstellungen zu kämpfen, wenn es ums manuelle Fotografieren geht. Und einen Nachthimmel mit oder ohne Polarlichter fotografiert man manuell – egal ob mit Profikamera oder mit dem Smartphone.

Bevor du nun irgendwo im Norwegischen Hinterland nachts, frierend vor deiner Kamera stehst und frustriert ohne gutes Bild der Aurora Borealis abreist, hier die gängigsten Kameraeinstellungen und unsere besten Tipps.

Dies sind unsere empfohlenen Kameraeinstellungen, Bitte beachte, dass die Intensität und Bewegungsschnelligkeit der Polarlichter schwanken kann, und auch äußere Umstände zu beachten sind – daher geben wir dir hier jeweils einen Korridor vor, in dem du gute Chance auf ein tolles Bild hast.

  • Dateiformat: Fotografiere im Raw-Format – Du wirst dein Bild ohnehin nachbearbeiten für gelungene Ergebnisse, das Raw Format hilft dir das Maximum aus deinem Sensor rauszuholen. Auch günstige Kameras und einige Smartphones können dies.
  • Weißabgleich: Du fotografierst im verlustfreien Raw-Format, daher betrifft dich dies nicht. Falls du im Jpeg fotografierst, versuche Kelvin-Werte zwischen 2500-4500 Kelvin.
  • Lichtempfindlichkeit: ISO 800-6400 – Gehe von einem ISO Wert von 1600 aus und schaue, ob du die Empfindlichkeit erhöhen musst, oder verringern. Wie erwähnt, die Helligkeit der Umgebung und der Polarlichter schwankt, hieran musst du deine Kamera anpassen. Du solltest vorher wissen, wie deine Kamera auf diese Werte reagiert.
  • Blende: Offenblende – Verwende die offenste Blende, die dein Objektiv hergibt und bei dem es noch scharf ist. Gute Objektive bieten dir eine Offenblende von 2.8 und sind hier bereits scharf. Um Unschärfe zu vermeiden, sollten alle Bildelemente eher weit weg sein, bei einem Weitwinkelobjektiv mindesten 20-30 Meter. Wichtig ist, dass du dein Objektiv scharf auf sehr weit entfernte Objekte stellst.
  • Verschlusszeit: 5-25 Sekunden – Sei bereit deine Verschlusszeit je nach Bewegung und Intensität der Nordlichter. Wenn die Illimination sehr aktiv ist und sich sichtlich schnell bewegt, versuche 2-5 Sekunden, wenn sie nur von geringer Intensität ist, und wenig umherwabert, versuche eher 10-30 Sekunden. Passe deine sonstigen Bildelemente eventuell diesen Vorgaben an für spannenden, kreative Kompositionen.
  • Fokus: Richtig fokussieren im Dunkeln – Das wohl schwierigste bei der Nachtfotografie ist es ordentlich und scharf zu fokussieren. In der Dunkelheit kannst du den automatischen Fokus leider oft vergessen. Es gibt verschiedene Methoden dies zu umgehen.
    • Methode a) Die einfachste Methode ist im Automatikmodus auf ein helles Licht (z.B. Straßenlaterne, Haus), das weit entfernt ist (mindestens 100m) zu fokussieren. Direkt im Anschluss stellst du deine Kamera auf manuellen Fokus um. So nutzt du die Automatik, und musst selbst nicht fokussieren.
    • Methode b) Etwas Erfahrung und Vorbereitung braucht die zweite Methode: Fokussiere im Tageslicht auf ein sehr weit entferntes Objekt mehrfach – nutze den mittleren Fokuspunkt und ein mittig liegendes Objekt bei Offenblende. Wenn du dir sicher bist, dass dies der schärfste Punkt dieser Brennweite ist, markiere dir beide Einstellungen am Objektiv mit einem Stift und/oder Aufkleber mit aufgemaltem Pfeil. Bei einem Zoomobjektiv nimm am besten eine Markierung für die weiteste Brennweite.

5. Bildbearbeitung und Bildkomposition: Tipps für schöne Bilder von der Aurora Borealis

Polarlichter fotografieren und Bäume im Vordergrund als Silhoutte nehmen, Foto: V. Guth

Das berühmte Flugzeugwarck in Island (Solheimasandur) mit Nordlichter am Horizont, Foto: T. Tucker

Auch wenn die nächtlichen Polarlichter schon ein Spektakel an sich sind, solltest du als angehender Top-Fotograf natürlich nicht vergessen, ein schönes Bild zu kreieren.

Generell gelten auch hier alle Regeln der Kunst der Landschaftsfotografie – lerne in unserem kostenlosen Ratgeber Landschaftsfotografie alles, was du wissen musst.

Speziell bei Polarlichterfotografie und den genannten Orten, beiten sich natürlich beeindruckende Landschaften zusätzlich als bildgestaltendes Element an. Bergsilhouetten mit Schnee reflektieren die Nordlichter wunderbar, auch Seen und das Meer bzw ein Fjord bieten sich für diesen Effekt an.

Wichtig ist bei der Bildbearbeitung, dass du beim Fotografieren bereits darauf geachtet hast, dass dein Foto gut belichtet ist, und sich insbesondere keine zu hellen Stellen im Himmel befinden.

Bei der Bildbearbeitung solltest du auf einen passenden Farbabgleich wert legen (du hast ja in Raw fotografiert und kannst dies daher verlustfrei) – Werte zwischen 2800-400 versprechen die besten Ergebnisse. Meist kannst du dunkle Bereiche wie Gras und Sträucher und Bäume etwas nachträglich aufhellen.

Bei aller kreativer Freiheit achte bitte darauf, dass du es bei den Farben der Polarlichter nicht zu sehr übertreibst – das wirkt schnell anfängerhaft.

Mountain Moments Tipp: Genieße die kreative Freiheit und finde deinen eigenen Weg!

6. Polarlichter fotografieren mit dem Smartphone (iOS, Android)

Egal ob du mit deinem Smartphone Polarlichter fotografieren willst, oder mit einer Profiausrüstung, die Vorgehensweise und Einstellungen sind identisch. Natürlich ist ein Smartphone kein Nachtfotografie-Wunderprodukt. Dazu ist dein Sensor zu klein und die Linsen zu wenig qualitativ hochwertig.

Für einen guten Schnappschuss der Nordlichter mit deinem Smartphone brauchst du eine App mit manuellen Einstellungen: Hier findest du die besten iOS Apps und Android Apps. Ideal ist, wenn es eine Möglichkeit zur Vorauslösung (Timerfunktion) gibt.

Außerdem brauchst du eine Art Stativ, damit dein Smartphone ca. 20-30 Sekunden superstabil steht. Wenn du kein Stativ mitnehmen möchtest, ein Pulli und Rucksack können reichen oder du bastelst dir einen „Linsensack“.

Lege vor Ort dein Smartphone auf diese stabile Grundlage, stelle die manuellen Settings ein (Kapitel 4), wähle deinen Bildausschnitt und starte deine Aufnahme mit der Timerfunktion.

Aurora Borealis fotografieren in den Lofoten (Norwegen), der Mountain Moments Step by Step Guide für Fotografen, Foto: J. Groll

7. Zusammenfassung Polarlichter fotografieren: Der Step by Step Guide, um perfekte Polarlichtbilder zu erstellen

Polarlichter sind eine schon beim bloßen Betrachten eindrückliche Erscheinung am Nachthimmel, beachte folgende Punkte und ich verspreche dir, du wirst großartige Momente einfangen können – sofern dir ein bisschen Quäntchen Glück hold ist.

Kameraausrüstung: Stativ, Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten. Idealerweise Vollformatkamera, weites Objektiv und große Offenblende.

Smartphone: Eine stabile Grundlage für den Smartphone (Stativ), eine App, die dir manuelle Einstellungen ermöglicht.

Planung Polarlichter: Plane die passende Zeit (Nov-März), einen passenden Ort (3.-6. Nördlicher Breitengrat) mit wenig Lichtverschmutzung (dunkel!) und einen wolkenfreien Himmel. Nun brauchst du nur noch etwas Glück (und Planung bei der Aurora Borealis Aktivität). Du musst wissen, was du vor Ort zu tun hast – und alles in Dunkelheit und Kälte beherrschen.

Kameraeinstellungen Nordlichter: Lichtempfindlichkeit (ISO) ca. 3200, Belichtungszeit ca. 10 Sekunden, Offenblende am Objektiv (z.B. Blende 2.8), Fotos im Raw-Format aufnehmen, wenn möglich

Bildkomposition: Versuche alles Unwichtige aus dem Bild auszuschließen, konzentriere dich auf das Wesentliche. Nutze Bergsilhouetten und Bäume, Häuser oder Menschen als Größenrelation und für harmonischen Bildaufbau, Seen und Wasser zur Spiegelung verwenden.

Bildbearbeitung: Wähle eine passende Farbtemperatur (ca. 2500-4500 Kelvin), hole die leuchtenden Farben im Himmel hervor, Natürlichkeit ist Trumpf: übertreibe es nicht mit den Farben.

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